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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 27.02.2024 um 10.30 UTC



Sehr mild, am Wochenende in den Alpen Föhn wahrscheinlich. Am Freitag und
Sonntag in den Alpen etwas Schnee möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 05.03.2024


Am Freitag und in der Nacht zum Samstag liegt Deutschland auf der Vorderseite
eines Langwellentroges über den Britischen Inseln, dessen Drehzentrum weitgehend
ortsfest über der Irischen See zu finden ist und von dem sich, in deutlich
schwächerer Ausprägung, ein Ausläufer bis ins zentrale Mittelmeer zieht. Mit dem
Haupttrog und seinem Höhentief korrespondiert ein Tiefdruckgebiet, dessen
weitgehend lotrecht unter dem Höhentief verortete Lage keine nennenswerten
Entwicklungstendenzen erwarten lässt. Es sorgt allerdings für einen in der
Westhälfte leicht verschärften Gradienten, welcher für mäßigen bis frischen Wind
mit starken Böen über dem westlichen Bergland sorgt. In dieser Konstellation
sorgen einerseits um das Höhentief herumgeführte kurzwellige Troganteile für
Hebungsimpulse, die vereinzelt für etwas Regen sorgen, insbesondere im
Nordwesten in der Nacht zum Samstag, wenn eine in Auflösung befindliche Front
von Westen her übergreift. Andererseits ist über Oberitalien ein schwaches, vom
Mittelmeer-Trog unterstütztes Tief zu finden, das feuchte Luft in den Süden
Deutschlands steuert und in der Nacht über das Böhmische Becken hinweg in den
Osten Deutschlands wandert. Damit kommt es am Tage vor allem südlich der Donau,
in der Nacht dann im gesamten Südosten und teils im Osten zu Niederschlägen,
wobei die Schneefallgrenze bei 1000 bis 1200 m liegen sollte. Die südliche bis
südwestliche Strömung sorgt weiterhin für sehr milde Temperaturen, meist liegen
sie zwischen 8 und 13°C, im Osten sind lokal bis 16°C möglich. In Teilen der
Mitte und des Südens, wo die Wolkendecke in der Nacht aufgehen kann bzw. schon
am Tage weniger Wolken unterwegs sich, kann leichter Forst auftreten, ferner
bilden sich lokal Nebelfelder.

Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag verharren das Tief und der Trog über den
Britischen Inseln weitgehend ortsfest, was zum einen an einem blockierenden Hoch
über Nordosteuropa liegt, zum anderen an KLA, die in die Rückseite des Troges
hineinläuft und diesen regeneriert. Somit bleiben uns auch die südliche bis
südwestliche Strömung und die milden Temperaturen erhalten (T max 9 bis 16°C,
nunmehr allerdings mit den höchsten Werten am Oberrhein). Die von Süden gegen
die Alpen geführten feuchten Luftmassen schwappen kaum noch über den
Alpenhauptkamm, so dass es im Süden zumeist trocken bleibt. Im Westen und
Südwesten macht sich weiterhin die schleifende, aber immer noch vorhandene Front
mit dichten Wolken und etwas Regen bemerkbar. Im Osten ziehen noch bis in die
zweite Tageshälfte Wolken, die mit dem kleinräumigen Tief in Verbindung stehen,
durch. Letztendlich ist ein breiter Streifen von den Alpen bis nach
Schleswig-Holstein wohl der freundlichste Bereich im Land, in dem es auch
längere sonnige Abschnitte geben könnte, der aber aufgrund der Wolkenarmut auch
für leichten Frost in der Nacht prädestiniert ist. Der Wind bleibt im Westen
insbesondere in den Hochlagen lebhaft, in den Alpen setzt Föhn ein, der in der
Nacht auf den Gipfeln Sturmstärke erreicht. Dazu

Am Sonntag kommt der Kaltluftvorstoß auf der Rückseite des Troges weiter nach
Südosten voran. Er (und mit ihm der Trog) greift auf die Iberische Halbinsel und
das westliche Mittelmeer aus, wobei sich zum Abend über den Seealpen ein
eigenständiges zweites Höhentief ausbildet, das laut IFS (deterministisch) in
der Nacht Oberitalien einen Besuch abstattet. Der Trog weist in der Gesamtschau
dann eine eher unförmige Kontur mit mehreren Zentren auf, seine Hauptachse ist
zum Morgen aber von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet. Damit dreht auf
seiner Vorderseite die Höhenströmung auf Südost, und mit der Trogverlagerung
bekommt auch die bislang eher müde wirkende Front wieder einen Schub - bezüglich
der räumlichen Verlagerung, aber auch bezüglich der Wetterintensität. Die
Südwesthälfte kann dies mit erwarteten leichten Regenfällen bestätigen. Auch in
und an den Alpen gibt es wieder Niederschläge. Da das Höhentief die 850er
Temperaturen in der Nacht zum Montag auf -2 bis -3°C drückt, kann es erneut
oberhalb von etwa 1000 m leichten Schneefall geben. Bei den Temperaturen tut
sich nix wesentliches, 9 bis 16°C sind weiterhin die Marschrichtung, und nachts
gibt es im Süden verbreitet, in der Mitte vor allem in ungünstigen Lagen
leichten Frost. An den Alpen hält der Föhn am Tage an, in der Nacht lässt er
dann wieder nach.

Am Montag bewegt sich eines der im Trog befindlichen Höhentiefs von der
Südwestspitze Irlands nach Zentralfrankreich, am Dienstag dann weiter nach
Mittel- bzw. Süditalien, wobei es das alte Höhentief über Oberitalien in seine
Zirkulation mit einbezieht, nachdem dieses im Verlauf des Montags über die Alpen
hinweg nach Süddeutschland gewandert ist. Gebietsweise fällt etwas Regen,
insbesondere am Dienstag schiebt sich aber von Westen ein Höhenrücken herein,
der für Wetterberuhigung sorgt. Die Druckgegensätze sind schwach, der Wind
entsprechend auch, und bei den Temperaturen ist allenfalls ein schwacher Trend
nach unten zu erkennen.

In der erweiterten Mittelfrist stütz der von der Iberischen Halbinsel über
Westeuropa zur Nordsee wandernde und sich dabei kräftigende Höhenrücken ein
Skandinavienhoch, das für Absinken und Wolkenauflösung sorgt. Entsprechend
lassen die Niederschläge nach, teils wird es (nach Auflösung eventueller
Nebelfelder) freundlich. Der Wind spielt allenfalls in den Hochlagen eine Rolle
- und bei den Temperaturen tut sich nicht viel.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs mit den Vorläufen kann als gut bezeichnet
werden. Den Langwellentrog über Westeuropa, der kaum nach Osten vorankommt, wird
vom neuesten Lauf wie auch von den Vorläufen gezeigt.

Zum Wochenende nehmen die Unterschiede zwar im Detail zu. Das betrifft z.B. die
Zahl der einzelnen Tiefdruckkerne im westeuropäischen Tief, aber auch die genaue
Lage und die Form des Tiefs. Die Geopotentialkonfiguration mit dem
westeuropäischen Tief und dem blockierenden Hoch über Nordosteuropa sieht
hingegen in den verschieden Modellläufen immer noch sehr ähnlich aus (selbst am
Sonntag), und dies gilt auch für die Temperaturverteilung in 850 hPa.

Erst zum Beginn der kommenden Woche und damit zum Ende der Mittelfrist und mit
Beginn der erweiterten Mittelfrist am Dienstag laufen die Modelle etwas
deutlicher auseinander. Dabei deuten sie aber immer noch einheitlich eine
Austrogung bzw. ein Abtropfen des Langwellentroges in Richtung Italien an. Nur
in der genauen Stoßrichtung des Troges und der Geschwindigkeit der Prozesse
bieten sie unterschiedliche Lösungen an. Deutlicher sind die Unterschiede
dagegen z.B. bei der Druckverteilung über dem Nordatlantik.

Insgesamt ist die Konsistenz der verschieden Modellläufe aber als gut zu
bezeichnen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die von IFS angedachten Entwicklungen werden von der internationalen Phalanx
bestätigt. Der zögerliche, regenerierte Trog, das britische Tief, die
schleifende Front - alles bei Allen zu sehen.

Zugegeben: Die Struktur des Bodentiefs über den Britischen Inseln wird schon am
Samstag recht unterschiedlich eingeschätzt, was eventuell auch auf unser Wetter
(Niederschlag, Wind) gewisse Auswirkungen haben könnte. Auch bezüglich der
850er-Temperatur lassen sich Unterschiede erkennen, die insbesondere auf
Phasenverschiebungen zwischen den Modellen hindeuten. Dies ist zum Beispiel bei
einem Warmsektor (Montag, 4.3., 00 UTC) westlich der Biskaya erkennbar, der von
GFS am schnellsten nach Osten geschoben wird, von UK10 dagegen am langsamsten.

Natürlich kann man im Detail beliebig viele Differenzen herausarbeiten. Aber in
der Gesamtschau simulieren alle hier betrachteten Modelle (ICON, GFS, UK10) sehr
ähnlich. Neben dem oben schon angesprochenen zögerlichen Trog sind dies auch das
Ausgreifen eben jenes ins Mittelmer mit einem ersten, kleinen, abgeschlossenen
Höhentief in der Nacht zum Montag, dem dann am Dienstag ein zweiter, massiverer
und im Folgenden dominierender Austrogungsprozess folgt. Eine Folge der
ähnlichen Strukturen im Boden- und Geopotentialfeld sind natürlich bei allen
sehr milde Temperaturen.

Letztendlich ist auch im internationalen Vergleich eine gute Konsistenz zu
konstatieren.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Ensembles des IFS werden in der Analyse in sechs Cluster unterteilt. Diese
wechseln im Zeitfenster +72 bis +96 Stunden alle von der "Positiven NAO" in die
"Blockierungslage". Diese bleibt im Zeitfenster +120 bis +168 Stunden bei allen
(erneut) sechs Clustern durchweg das klimatologische "Regime".

Während im Zeitfenster +96 bis +120 Stunden die Unterschiede zwischen den
Clustern nur schwer erkennbar sind, zeigen sich nun deutlichere Variationen. So
bilden z. B. die Cluster drei, fünf und sechs (mit acht, fünf und drei Membern)
jeweils einen markanten Höhenrücken über Südwesteuropa aus, den die übrigen
Cluster, auch mit dem Haupt- und Kontrolllauf in Cluster zwei) nicht zeigen.

Letztendlich sind aber auch das nur Randentwicklungen. Die Blockierung bleibt
auch im Zeitfenster +192 bis +240 erhalten. Dann sind es zwei fast gleichgroße
Cluster, mit dem Haupt- und Kontrolllauf in Cluster zwei, die die
Blockierungssituation fortschreiben.

In den Rauchfahnen für Offenbach zeigen im Mittelfristzeitraum alle
Ensemblemitglieder einheitlich zuerst ein langsames Sinken des Geopotentials bis
in das Wocheneden hinein, danach wird ein Anstieg des Geopotentials avisiert
Dieser Verlauf lässt sich natürlich mit dem sich zögerlich nähernden Trog bzw.
mit den Abtropfprozessen und dem sich in der Folge allmählich hereinschiebenden
Rücken erklären. Das gilt auch für die schon ab dem Freitag steigende Streuung,
die sich aus den leichten Unterschieden im Verlauf der Abtropfprozesse ergibt.
Bei den 850er Temperaturen kommt es erst ab Samstag zu einem deutlicheren
Anstieg, der aber schon am Sonntag wieder endet und seinerseits in einen
Rückgang der Werte übergeht. Auch diesbezüglich sind sich die Ensemblemember,
bis auf Phasenunterschiede, einig. Allerdings nimmt mit diesem Rückgang die
ohnehin schon veritable Streuung nochmals deutlich zu.

Die Ensembles des GFS stützen weitgehend die Sichtweise des IFS. Der Anstieg der
Temperaturen in 850 hPa von Freitag bis Sonntag verläuft allerdings bei GFS-ENS
kontinuierlicher, während bei IFS der eigentliche Temperaturanstieg nur von
Samstag auf Sonntag erfolgen soll.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Der EFI zeigt - abgesehen von den Signalen für signifikant über dem Klimamittel
liegende Temperaturen - keine Hinweise für Signifikante Wettererscheinungen.

FROST:
Cosmo-LEPS zeigt im Süden und der Mitte schwache Signale für leichten Frost.

SCHNEE:
COSMO-LEPS zeigt am Freitag geringe Signale (bis 10%) für mehr als 5 cm Schnee
in 6 Stunden in den Alpen. Am Sonntag liegen die entsprechenden Signale dann bei
bis zu 20%.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas