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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 12.05.2026 um 10.30 UTC



Unterkühlter Start ins Wochenende, zunächst mit Gewittern, dann folgt teils
unwetterartiger Dauerregen und -schneefall am nördlichen Alpenrand, bevor es zu
kommendem Wochenbeginn wieder gewittert, dann mit Starkregengefahr. Nächste
Woche deutlicher Temperaturanstieg.
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Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 19.05.2026


So kühl, wie die aktuelle Kurzfrist daherkommt, geht es zunächst auch noch in
der Mittelfrist weiter. Der erfolgte Kaltlufteinbruch setzt sich dabei zunächst
noch bis zum kommenden Wochenende fort. Hauptverantwortlich dafür zeichnet ein
Langwellentrog über Mitteleuropa, der sich zunächst einmal noch hartnäckig hält
und keine Anstalten macht, sich von dannen zu bewegen.

Am Freitag ist der besagte Trog aber bereits deutlich amplifiziert und erstreckt
sich ausgehend von Skandinavien direkt nach Süden über Deutschland und den
Alpenraum hinweg bis über den westlichen Mittelmeerraum. Bodennah ist dabei ein
Bodentief (oder eine Rinne) über der Nordsee wetterwirksam. Dort liegt mit T850
von knapp unter 0°C auch die kühlste Luftmasse. Angesichts der fortgeschrittenen
Jahreszeit ist hier aufgrund des hohen Gradienten zwischen T2m und T850 von
einer durch Höhenkaltluft labilisierten Luftmasse auszugehen. Tatsächlich wird
in der Numerik auch hinreichend verfügbares CAPE gezeigt, teils sogar bis knapp
500 J/kg. Damit kommt es im Tagesverlauf zu zahlreichen Schauern und Gewittern.
Der Schwerpunkt zeichnet sich dabei in Verbindung mit der Trogachse im Südwesten
Deutschlands ab. An dieser Trogspitze soll es zudem auch zu einer
Randtiefbildung kommen. Das hat Konsequenzen, die gleich im Folgetag behandelt
werden. Zunächst aber noch zur Nacht zum Samstag: Dort kommt es zunächst von
Nordwesten her zu Zwischenhocheinfluss. Das damit verbundene Aufklaren führt zu
erheblicher Abkühlung und Minima im tiefen einstelligen Bereich. Bedeutet: Im
zentralen Bergland ist örtlich noch immer etwas Luftfrost möglich, Bodenfrost
sowieso. Dieser könnte im worst case sogar auch nochmal in den norddeutschen
Niederungen auftreten.

Am Samstag , beziehungsweise in der Nacht davor, kommt es trogvorderseitig zu
einer Alpenlee-Zyklogenese, aus der sich rasch ein abgeschlossenes Tief mit
Zentrum über Oberitalien entwickelt. Mit steigendem Druckgradienten entwickelt
sich Nordföhn, der bei uns in einer Nordstaulage an den Alpen resultiert, die zu
ergiebigen Niederschlägen. Unterstützt wird diese neben den staubedingten
Effekten durch zusätzliches Aufgleiten an der Nordflanke des Tiefs, sodass
erhöhte Niederschlagsmengen auch etwas abseits der Berge zu erwarten sind. Die
stärksten Niederschläge treten dabei nach jetzigem Stand zwischen Samstagmittag
und Sonntagfrüh auf. Binnen 24h sind dabei südlich der Donau 10 bis 30 mm, nahe
der Alpen 30 bis 50 mm Regen zu erwarten. In den inneralpinen Staulagen werden
auch Mengen um 60 mm (Unwetter) gezeigt. Oberhalb etwa 1500 m fällt in der
kühlen Luftmasse zunehmend Schnee; spätestens in Lagen oberhalb 2000 m (das sind
auf deutscher Seite allerdings nicht allzu viele...) sind erhebliche
Neuschneemengen zu erwarten. Immerhin ist das dem alpinen Wasserhaushalt wohl
eher zuträglich, im positiven Sinne.
Kurz noch ein paar Worte abseits des süddeutschen Geschehens: Mit weiter
zunehmendem leichten Hochdruckeinfluss bleibt es neben einigen Wolkenfeldern
wohl recht freundlich bei zunehmenden Sonnenanteilen; das Thermometer zeigt
Werte von immerhin um 15°C. Nur des Nachts bleibt es noch immer sehr frisch,
allerdings geht die Frostgefahr wohl etwas zurück.

Am Sonntag ziehen die Niederschläge am Alpenrand ostwärts ab. Unter Einfluss des
Höhentrog-Residuums halten sich aber im Tagesverlauf sicherlich noch
Restniederschläge. Der Trog tropft ostwärts ab, das entstandene Höhentief liegt
dann mit Zentrum über dem Balkan. Bodennah verflacht der Gradient und der
antizyklonale Einfluss reduziert sich im Rest des Landes. Der verbliebene
Randtrog sorgt für wechselhaftes Wetter und vor allem in der Nordwesthälfte für
ein paar Regenschauer. Dementsprechend steigen die Temperaturen am östlichen
Alpenrand kaum über 10°C, sonst aber auf meist zwischen 15 und 18°C. Auch die
Nacht zum Montag bleibt noch frisch. Erzgebirge und Bayrischer Wald zeichnen
sich dabei als allerletzte Frost-Bastionen ab.

Am Montag und Dienstag liegt noch immer der letzte Trogrest über Mitteleuropa.
Dieser ist aber a) nur noch schwach ausgeprägt und gradientarm und b) schon
deutlich durch steigendes Geopotential über dem nordosteuropäischen Kontinent
deformiert. Von Westen nähert sich ebenfalls ein Höhenkeil in Verbindung mit
steigendem Geopotential. Bodennah etabliert sich zusehends eine Brücke vom
Atlantik bis nach Nordrussland, die aber noch kleine Reststörungen in Form
flacher Tiefs enthalten kann (unsicher!). Generell zeichnet sich aber eine sehr
flache Druckverteilung ab (der berühmte "Sumpf"). Damit beruhigt sich das
Wettergeschehen zunächst und die Luftmasse hat eine Chance, sich diabatisch
durch Sonneneinstrahlung zu erwärmen. Dementsprechend deutliche Signale gibt es
für TMax von über 20°C in den meisten Landesteilen, abgesehen vom Südosten.
Allerdings: Bei der Luftmasse handelt es sich noch immer um zwar gealterte, aber
noch immer kühle Polarluft. Bei T850 von teils nur +2 bis +4°C kann man sich
ausrechnen, dass es bei den Maxima am Boden zu sehr guter Durchmischung kommt
und früher oder später zu neuer Konvektion. Entsprechend hohe Labilitätssignale
zeigt u.a. IFS (CAPE bis um 500 J/kg). Angesichts des geringen Gradienten im
Geopotential wird diese Konvektion aber wohl der vielgerühmten Kategorie
"Schrott" zuzurechnen sein - das bedeutet: keine strukturell ausgeprägten
Gewitter, sondern kaum vernünftig vorherzusagende fast-stationäre Einzelzellen
oder Cluster, die höchstens lokalen Starkregen und im schlimmsten Falle etwas
Hagel produzieren.

Im weiteren Verlauf deutet sich eine neue antizyklonale Nord- bis Nordostlage an
(Hoch Nordmeer - Fennoskandien mit nahem Atlantikrücken). Das würde weitere
Schauer- und Gewittertätigkeit zunehmend unterdrücken, aber für deutlich
sommerlichere Temperaturen sorgen, dann auch häufiger mit Werten von über 25°C.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die letzten IFS-Läufe zeigen sich hinsichtlich der beschriebenen Entwicklung
vergleichsweise konsistent. Nennenswert sind am ehesten die Unsicherheiten zum
Ende des Prognosezeitraumes, wo es noch Spielraum bezüglich des Abbaues des
vorher dominanten Langwellentroges gibt. Vorherige Läufe zeigen ein rascheres
Übergreifen steigenden Geopotentials vom Atlantik, was die Konvektionstätigkeit
abmildern bis unterdrücken würde. Der gestrige 00z-Lauf lässt zudem die
eingeflossene Kaltluft noch länger über Mitteleuropa liegen, sodass auch
möglicherweise noch nicht ganz klar ist, wie schnell die Erwärmung letztendlich
vonstatten geht. Insgesamt zeichnet sich aber der einhellige Trend zu
Verhältnissen ab, die der Jahreszeit namens Spätfrühling deutlich gerechter
werden, als es aktuell der Fall ist. Wird ja auch langsam Zeit.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Der Vergleich verschiedener Globalmodelle zeigt vor allem, dass die markanten
bis unwetterartigen Niederschläge am Alpenrand vergleichsweise sicher erscheinen
(ausgenommen GFS, aber GFS wird aus mannigfaltigen Gründen wenig Gewicht
beigemessen). Bezüglich der genauen Mengen sind noch Unsicherheiten
einzukalkulieren. Insbesondere lagen die ENS-Perzentile des 00Z-Laufes IFS noch
nicht vor. Die Deterministik zeigt deutlich höhere Mengen als die 90%-Perzentile
von gestern 12Z als auch für COSMO-LEPS 00Z. Es ist nicht auszuschließen, dass
noch Läufe mit höheren Mengen zu erwarten sind; es scheint aber erstmal so, als
bewege sich die Deterministik hier am obersten Rand des Ensembleraums.
Darüber hinaus zeigt die Deterministik in trauter Übereinstimmung steigendes
Geopotential aus Richtung Atlantik bei damit einhergehender Erwärmung.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die ECMWF-Cluster zeigen übereinstimmend den Übergang von Trog Mitteleuropa
(Atlantischer Rücken) hin zu erneutem Blocking bis in die erweiterte
Mittelfrist. Die Transition dahin geht mit den bereits beschriebenen
Unsicherheiten einher, die sich durch eine entsprechend erhöhte Anzahl an
Clustern im ENS ausdrückt (drei bis vier, in der erweiterten Mittelfrist nur
noch eines).

Die Rauchfahnen des ECMWF-ENS zeigen in erster Linie in eine Richtung: Nach
oben. Das entspricht dem bereits erläuterten Trend, der sich auch in der
Deterministik entsprechend abbildet. Die Niederschlagssignale weisen zudem auf
die Konvektionstätigkeit hin, diese unterliegt naturgemäß größeren
Unsicherheiten.

Die GFS-ENS folgen diesem Trend und zeigen ab kommender Woche deutlich
zunehmende Temperaturen; sowohl bodennah als auch in der Höhe.

Fazit:
Einem zunächst noch leicht unterkühlten Wochenende mit markantem Dauerregen im
Süden und teils erheblichem Schneefall in den Hochalpen folgt zunehmender
Hochdruck und deutliche Erwärmung im Laufe der kommenden Woche. Dabei kommt aber
einmal mehr die vielgerühmte "Schrottkonvektion" zum Tragen: Wiederholte
Gewitter langsamer Zuggeschwindigkeit, die örtlich für Starkregen sorgen. Mit
fortschreitendem Wochenverlauf und Druckanstieg sollte die Gewittertätigkeit
allmählich zurückgehen. Dafür erwarten uns dann vermehrt sommerliche
Temperaturen, nachdem es anfangs erst noch zu Boden- und teils sogar noch
Luftfrösten (vor allem im Bergland) kommen kann.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Es ist allerhand los:

Freitag zunächst noch einzelne markante Kaltluftgewitter mit Graupel und
einzelnen stürmischen Böen.

Ab Samstag einsetzender Dauerregen am nördlichen Alpenrand, in Nordstaulagen mit
teils unwetterartigen Mengen und in Hochlagen in Schneefall übergehend (hier
teils unwetterartige Neuschneemengen nicht ausgeschlossen). Am Sonntag vormittag
nachlassende und ostwärts abziehende Niederschläge.

Zu Beginn der kommenden Woche dann wieder Gewitter, diesmal vereinzelt mit
Starkregen, vor allem in der westlichen Hälfte Deutschlands.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, ICON-ENS, IFS, ECMWF-ENS (teils noch Vortag 12Z), GFS-ENS, MOS
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VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch