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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 02.01.2026 um 10.30 UTC



Kalter Witterungsabschnitt mit Dauerfrost und teils strengen Nachtfrösten. Zeit-
und gebietsweise Schneefall, Niederschlagsprognose aber sehr unsicher.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 09.01.2026


Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Montag liegt Deutschland im
Einflussbereich eines umfangreichen und mit Kaltluft angereicherten
Langwellentroges, der sich vom Norden Europas bis in den Südwesten Europas
erstreckt. Korrespondierend dazu befindet sich im Bodendruckfeld eine
umfangreiche Tiefdruckzone mit einem Schwerpunkt über Skandinavien, Nord- und
Ostsee und einem weiteren über dem westlichen Mittelmeerraum. Für unser Wetter
verantwortlich ist zunächst der nördliche Schwerpunkt, bei dem Randtröge immer
wieder für die Ausbildung neuer Tiefdruckzentren sorgen. Dabei ist eine kalte
Luftmasse wetterbestimmend mit Temperaturen in 850 hPa um minus 9 Grad. Am Rande
der Tiefdruckgebiete gibt es im Norden zeitweise Schneefall. In der Mitte und im
Süden ist der Einfluss einer Hochdruckbrücke wirksam, die sich zwischen den
beiden Tiefs aufgebaut hat.

Nach einer kalten Nacht mit häufig mäßigem, teils auch strengem Nachtfrost
ändert sich am Dienstag wenig an der Wetterlage. Einzig auf den Südosten greifen
ausgehend von dem Richtung Italien ziehenden Mittelmeertief Schneefälle von
Süden über.
Diese Schneefälle halten dort auch am Mittwoch weiter an. Sonst bleibt der
leichte Hochdruckeinfluss erhalten und weitet sich auch auf den Norden aus. Denn
der Trog beginnt Richtung Frankeich abzutropfen, sodass ein weiteres vom
Nordmeer kommendes Tief nun nicht mehr Kurs Richtung Deutsche Bucht, sondern
Richtung Südwesteuropa nimmt.

Am Donnerstag zieht das ehemalige Mittelmeertief über den Südosten Europas
ostwärts ab und die Schneefälle im Südosten Deutschlands lassen wieder nach.
Sonst bleibt Hochdruckeinfluss wetterwirksam, wobei die Hochdruckzone zum
Freitag hin mit Annäherung eines neuen Troges von den Britischen Inseln
allmählich südostwärts gedrückt wird. An dessen Trogspitze kann sich ein
Randtief zu einem Sturmtief entwickeln, das sich Freitagmittag mit seinem
Zentrum und einem Kerndruck unter 980 hPa über England befindet. Von dort aus
soll es unter weiterer Intensivierung über die südliche Nordsee Richtung
Südskandinavien ziehen. Somit greift dessen Sturmfeld im Laufe des Freitags und
in der Nacht zum Samstag auch auf uns über. Das teilokkludierte Frontensystem
greift ebenfalls über, überquert uns rasch ostwärts und bringt gebietsweise
Schneefälle. Vor allem im Süden kann gebietsweise auch vorübergehend
gefrierender Regen auftreten, je nachdem wie kräftig der Warmlufteinschub
ausfällt.

Auch in der erweiterten Mittelfrist bleibt es wechselhaft und bei weiterer
Kaltluftzufuhr winterlich bei zeitweisen Schneefällen. Zum kommenden Montag hin
könnte dann von Westen wieder mildere Luft durchgreifen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bereits ab Mittwoch lässt die Konsistenz des EZMW-Modells nach. Während nach dem
gestrigen 00 UTC Lauf von Nordwesten weitere Niederschläge übergreifen sollten,
bleiben diese nun durch Abtropfen des Troges weitgehend außen vor und es
dominiert in weiten Teilen Deutschlands Hochdruckeinfluss.
Das Übergreifen des Sturmtiefs wurde auch in den Vorläufen schon gezeigt, der
gestrige 00 UTC Lauf zeigte aber eine schnellere Verlagerung auf einer deutlich
südlicheren Zugbahn. Der gestrige 12 UTC Lauf zeigte eine langsamere Verlagerung
auf ähnlicher Position wie der heutige 00 UTC Lauf, ließ das Sturmtief aber
nicht ostwärts ziehen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch die Modellunterschiede nehmen ab Mittwoch deutlich zu. So lässt ICON die
Niederschläge des Mittelmeertiefs auf den gesamten Süden und auch auf den Osten
übergreifen. GFS zeigt keinen nennenswerten Einfluss des Mittelmeertiefs auf
unser Wetter, stattdessen kommen weitere Niederschläge mit einem Sturmtief von
Nordwesten auf.
Das Übergreifen des Sturmtiefs zum Freitag und dem Wochenende zeigen die Modelle
wiederum alle, wenn auch noch mit unterschiedlicher Position und Intensität.
Insofern ist eine zuverlässige Vorhersage vor allem bezüglich der Niederschläge
ab Mittwoch nicht möglich.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen für ausgewählte Stationen in Deutschland zeigen bis Donnerstag
einen recht einheitlichen Verlauf bei relativ geringem Spread, sowohl bei der
T850 hPa als auch beim Geopotential 500 hPa. Auch für Berlin beispielweise sind
die Niederschlagssignale zur Wochenmitte sehr gering, sodass die ICON Lösung
eher unwahrscheinlich ist.
Ab Donnerstag nimmt der Spread zu, wobei die Mehrheit der Member dem Hauptlauf
folgt. Zunehmende Niederschlagssignale und ein Anstieg der Temperatur (im Norden
nur leicht, im Süden etwas stärker ausgeprägt) deuten auf das Übergreifen des
Sturmtiefs oder zumindest auf wieder zunehmenden Tiefdruckeinfluss hin. Somit
basiert die Vorhersage heute überwiegend auf dem IFS.

Die Clusterung des EZMW besitzt für den Zeitraum t+72 bis 96 Stunden nur einen
Cluster. Für den nachfolgenden Zeitraum von Mittwoch bis Freitag 00 UTC und auch
für die erweiterte Mittelfrist sind es jeweils vier Cluster. Bei den meisten
Clustern dominiert zunächst der Hochdruckeinfluss, was bei Cluster 3 und 4 auch
am Samstag noch der Fall ist. Dort bleibt das Sturmtief vor Westeuropa liegen.
Eine ähnliche Entwicklung zum Hauptlauf zeigen Cluster 1 und 2, in denen auch
die meisten Member enthalten sind.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Im Vorhersagezeitraum herrscht tagsüber vielerorts leichter Dauerfrost, in den
Nächten muss im Bergland und im Süden teils mit strengem Frost gerechnet werden.
Sonst gibt es zunächst voraussichtlich keine markanten Wettererscheinungen.
Einzig im Bergland sind bei auffrischendem Wind ab Donnerstag Schneeverwehungen
nicht ausgeschlossen.

Am Freitag und in die erweiterte Mittelfrist hinein könnte es im Norden
stürmisch werden mit schweren Sturmböen an der Nordsee. Die aufkommenden
Niederschläge können teils markante Neuschneemengen bringen, im Süden ist auch
gefrierender Regen nicht ausgeschlossen. Diese Entwicklung ist aber noch sehr
unsicher.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOS-EZMW, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Johanna Anger