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Wissenschaft kompakt

Der Geruch von Regen



Nach einer längeren Trockenperiode Ende April fällt nun wieder
reichlich Regen. Viele Menschen kennen den frischen, erdigen Geruch,
der oft auch als beruhigend beschrieben wird, wenn nach einer
längeren Trockenperiode Regen einsetzt. Doch hat Regen tatsächlich
einen Geruch oder ist das eine Sinnestäuschung?



Nach einem trockenen Tag setzt Regen ein und plötzlich liegt ein ganz
besonderer Duft in der Luft. Dieser Geruch wird oft als frisch, erdig
oder beruhigend beschrieben. Er fällt besonders nach längeren
Trockenphasen deutlich auf. Doch woher kommt dieser typische
?Regengeruch? eigentlich?
Dieser besondere Duft, der entsteht, wenn Regen auf trockenen Boden
fällt, wurde von Wissenschaftlern in den 60er-Jahren Petrichor
genannt. Petrichor stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den
Worten ?Petra? (Stein) und ?Ichor? (die Flüssigkeit in den Adern der
Götter) zusammen.
Der Geruch setzt sich aus Pflanzenölen zusammen, die von Pflanzen in
Trockenphasen ausgeschieden und vom Boden sowie Gestein aufgenommen
werden. Bei Regen lösen sich diese Öle und werden freigesetzt. Ein
weiterer wichtiger Bestandteil ist das sogenannte Geosmin, das für
den erdigen Anteil des Dufts verantwortlich ist. Es gehört zur
Stoffgruppe der bizyklischen tertiären Alkohole und wird von
bestimmten Bodenbakterien gebildet. Geosmin ist so intensiv, dass
Menschen es selbst in sehr niedriger Konzentration erkennen können.
Forscher vermuten, dass diese hohe Sensibilität den Menschen früher
dabei half, lebensnotwendige Wasserquellen in trockenen Gebieten
aufzuspüren. Gerade nach längerer Trockenheit sammelt sich der Stoff
verstärkt im Boden an und wird besonders durch die ersten
Regentropfen freigesetzt.
Der genaue Mechanismus, durch den diese Duftstoffe freigesetzt
werden, wurde erst im Jahr 2015 von Forschern des Massachusetts
Institute of Technology mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras
erforscht. Beim Aufprall von Regentropfen auf porösem Boden schließen
die Tropfen kleine Luftblasen ein. Diese steigen innerhalb des
Regentropfens nach oben und platzen anschließend an der Oberfläche,
ähnlich wie Champagnerblasen. Dabei schleudern sie winzige Aerosole
in die Luft, die die Duftstoffe enthalten.
Besonders viel Aerosol entsteht bei leichtem bis mäßigem Regen. Bei
starkem Regen entstehen deutlich weniger, da die Tropfen zu schnell
aufprallen und sich somit weniger Luftblasen bilden können.
Wärme verstärkt die Verdunstung und damit auch die Verteilung der
Duftstoffe in der Luft. Deshalb wird der Geruch an warmen Tagen
häufig als besonders intensiv wahrgenommen.
Allerdings entsteht nicht immer der gleiche Eindruck. In Städten
mischen sich beispielsweise Gerüche von Asphalt, Pflanzen, Staub oder
Abgasen mit der feuchten Luft. Auf dem Land dominieren dagegen häufig
Gerüche von Erde, Grasflächen oder Wäldern. Dadurch kann Regenluft
regional sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.


Dipl.- Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.05.2026

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