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Wissenschaft kompakt

Stormchasing in den USA 2026


Bereits in der Vergangenheit sind immer wieder Kollegen des DWD in
die USA gereist, um dort auf Sturmjagd zu gehen. Was sie dabei in
diesem Jahr erlebt und gesehen haben, soll Inhalt des heutigen Thema
des Tages sein.


Es war wieder an der Zeit: Die Stormchasing-Saison 2026 in den USA
stand in den Startlöchern und so machten sich auch in diesem Jahr
wieder zwei Kollegen aus der Vorhersagezentrale des Deutschen
Wetterdienstes auf den Weg in die Great Plains, um in der Tornado
Alley die größten Gewitter mit den besten Strukturen ?zu jagen?.
Los ging es rund um die zweite Mai-Dekade, ab der der statistische
Höhepunkt der Tornado-Saison in den USA in der Regel stattfindet.
Ausgehend vom Flughafen Denver machten sich mehrere deutsche Teams
auf eine abenteuerliche Reise, die zunächst mit einem Besuch in den
Rocky Mountains startete, da zu Beginn der Reise noch keine Unwetter
anstehen sollten.
Das änderte sich rund um den 13. Mai, als sich im Abendlicht erste
Gewitter entwickelten, die tolle Erdblitze hervorbrachten.
Schlag auf Schlag ging es am 15. Mai weiter, als sich östlich von
Omaha in Iowa eine beeindruckende Superzelle bildete, die sogar
grünlich leuchtete. Nachts bildete eine Lightshow aus unzähligen
Blitzen am Horizont einen genialen Abschluss dieses Tages.
Aber an Durchschnaufen war nicht zu denken, denn bereits am 16. Mai
ging es mit einer heftigen HP-Superzelle (HP = High Precipitation)
nahe Goodland in Kansas weiter. Aus ein paar unscheinbaren Quellungen
bildete sich hier in atemberaubender Geschwindigkeit eine
Gewitterzelle, wie sie in Mitteleuropa kaum möglich ist. Grund genug
für den lokalen Wetterdienst NWS, um diese auch mit einer amtlichen
Tornado-Warnung mittels Cell-Broadcasting zu versehen. Für manche der
deutschen Chaser war dies die erste Tornado-Warnung überhaupt ? ein
absoluter Gänsehaut-Moment. Insgesamt konnte diese Gewitterzelle, die
vor allem heftigen Regen, Erdblitze, Großhagel und sogar einen
massiven Staubsturm auslöste, über Stunden verfolgt werden.

Tags darauf fand man sich in Nebraska, nördlich der Stadt Grand
Island, wieder. Erneut war mit Schwergewittern zu rechnen und der Tag
sollte sich zum Höhepunkt der USA-Reise entwickeln: Wieder bildete
sich aus ein paar unscheinbaren Quellungen rasch eine Superzelle, die
zunächst im klassischen Modus daherkam und dann auch den Wandel zur
HP-Superzelle vollzog. Das ?Highlight? dieser Zelle bildete neben
einer famosen Wolkenstruktur aber ein beeindruckender Tornado, der
sich schnell bildete, massiv verbreiterte und als sogenannter
Wedge-Tornado leider auch den Ort Saint Libory heftig traf und für
große Schäden sorgte. Glücklicherweise ist aber bis hierhin nichts
von Toten bekannt geworden. Später wurde der Tornado vom NWS mit
einer Stärke von EF-3 (219-265 km/h) eingestuft, was als sehr
destruktiv gilt.
Für den Folgetag (18. Mai) kündigte das SPC die zweithöchste
Warnstufe im Hinblick auf Gewitter an und auch Tornados sollte es an
diesem Tag erneut geben. Mittags hat man schon anhand einer sehr
starken Schwüle gespürt, dass massiv Energie in der Luft lag. Kurz
danach bildeten sich auch mehrere Superzellen, die allesamt mit einer
Tornadowarnung versehen wurden und sehr stark rotierten. Leider war
die Sicht an diesem Tag aufgrund der hohen Feuchte in der Atmosphäre
stark eingeschränkt, sodass man nah an die Gewitterzellen heranfahren
musste, um überhaupt etwas zu sehen. Bei Clay Center in Kansas
konnten wir dann eine beeindruckende Superzelle erwischen, deren
Nachfolgerin später eine Wallcloud (tiefe, abgesenkte Wolkenbasis mit
Rotation) bildete, was auf eine unmittelbare Tornadogefahr
hindeutete. Sogleich schrillten auch die Tornado-Sirenen in der
Kleinstadt ? ein weiterer Gänsehaut-Moment. Glücklicherweise blieb
der Tornado aus und die Stadt verschont. Generell verlief dieser Tag
etwas ruhiger als gedacht und der erwartete Tornado-Outbreak kam
nicht zustande.
In den weiteren Tagen beruhigte sich das Wetter etwas und der Fokus
lag eher auf kleinen, lokalen Gewitterlagen mäßiger Intensität
anstatt auf überregionalen Schwergewitterlagen. So konnte man etwa am
23. Mai in Texas oder am 25. Mai in Nebraska tolle Wolkenstimmungen
mit unzähligen Blitzen beobachten, einen Teil davon sogar im besten
Abendlicht.
Nach rund 12.000 km in nicht einmal 3 Wochen endete für die
DWD-Meteorologen die USA-Tour 2026 am 28. Mai am Flughafen in Denver.
Allen Beteiligten war aber schnell klar, dass es definitiv nicht das
letzte Mal gewesen sein wird, dass man in den USA chasen war. Vor
allem vor dem Hintergrund, dass die Saison 2026 unterdurchschnittlich
verlief und damit Steigerungspotential in den kommenden Jahren
besteht.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.06.2026

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